Dias und Negative schnell digitalisieren

 

Das ideale Licht

Die spektrale Zusammensetzung und Intensität des Lichts – also Farbtemperatur und Helligkeit – haben entscheidende Bedeutung für alle Gebiete der Fotografie.

Um eine geeignete Lichtquelle zu finden, ist es wichtig, ein wenig über die physikalischen Grundlagen des Lichtes allgemein und Farbtemperatur zu wissen.

Licht ist eine Strahlung. Es ist der sichtbare Teil aus dem weit reichenden Spektrum der elektromagnetischen Wellen, zu denen auch die Radiowellen und Röntgenstrahlen zählen.

Elektromagnetische Wellen werden durch ihre Frequenz bzw. Wellenlänge charakterisiert. Beide Größen können über die Lichtgeschwindigkeit entsprechend folgender Gleichung ineinander umgerechnet werden:

Frequenz * Wellenlänge = Lichtgeschwindigkeit (= 300.000 km/sec.)

In der Regel wird die Wellenlänge des Lichts in nm angegeben. Die Lichtwellen stellen lediglich einen kleinen Ausschnitt aus dem breiten Band der elektromagnetischen Wellen dar:

 

Lässt man Licht durch ein Prisma-Glas fallen, werden die Lichtstrahlen je nach Wellenlänge verschieden stark aus ihrer Richtung abgelenkt, die kürzeren Wellenlängen am stärksten, die längeren am schwächsten.
Das zunächst überall gleichzeitig vorhandene Spektrum aller Wellenlängen zwischen 400 und 700 nm wird räumlich zerlegt. Es erscheint in dem bekannten Regenbogenband von Violett, über Blau, Grün, Gelb, Orange bis Rot.

 

Aus all diesen Farben setzt sich das weiße Licht zusammen, grob gesehen kann man das Spektrum in drei Hauptbereiche Blau (ca. 400-500nm), Grün (ca. 500-600nm) und Rot (ca. 600-700nm) einteilen.

Die drei Spektrumsdrittel lassen sich (energiegleiches Spektrum vorausgesetzt) wieder zu weißem Licht zusammenfügen. Eine für die Reproduktion ideale Lichtquelle liefert weißes Licht.

Da die Intensität der verschiedenen Wellenlängenbereiche in der Realität so gut wie nie gleich ist (selbst das Sonnenlicht hat eine je nach Sonnenstand unterschiedliche Strahlung), wird die unterschiedliche Zusammensetzung der Strahlung über die Farbtemperatur definiert.

Wird ein Gegenstand erhitzt, so setzt er einen Teil der zugeführten Wärme in Strahlung um, er beginnt zu glühen. Die Farbe des Glühens ändert sich mit zunehmender Temperatur von Rot und Gelb nach Weiß.

Die spektrale Zusammensetzung der Strahlung wird also eindeutig durch die Farbtemperatur bestimmt, diese wird in der Physik üblicherweise in Kelvin-Graden angegeben.

 

Farbtemperaturen einiger Lichtquellen

  Klares, nördliches Himmelslicht 15.000 – 25.000 K
  „Blaue Stunde“ 9.000 – 12.000 K
  Nebel, starker Dunst 7.500 – 8.500 K
  Bedeckter Himmel 6.500 – 7.500 K
  Mittagssonne 5.500 – 5.800 K
  Elektronenblitz 5.500 – 5.600 K
  Vor- und Nachmittagssonne 5.500 K
  Morgen- und Abendssonne 5.000 K
  Xenon-Lampe 4.500 – 5.000 K
  Leuchtstofflampe 4.000 K
  Halogenlampe 3.200 K
  Glühlampe 2.200 – 2.800 K
  Kerze 1.500 K

 

Für die Digitalisierung von Farbvorlagen, wird eine möglichst konstante Lichtintensität, konstante und hohe Farbtemperatur und ein möglichst breites Farbspektrum.

Das Sonnenlicht wäre eine hervorragende Lichtquelle, würden sich nicht permanent die Wetterlage, Farbtemperatur, Helligkeit und Einfallswinkel ändern. ;-)

Von normalen Glühlampen sollte man bei der Farbfotografie Abstand nehmen. Die Farbtemperatur ist sehr niedrig und nicht gleichbleibend. Durch das Verdampfen des Glühfadens wird der Glaskolben von innen beschlagen, mit zunehmender Alterung weicht die Farbtemperatur und Intensität vom Ausgangswert stark ab.

Bedeutend besser sind Halogenlampen. Hier wird dank einer speziellen Halogen-Füllung der Niederschlag des verdampften Metalls vermieden, die Lichtintensität und Farbtemperatur bleiben während des gesamten Lebensdauer nahezu gleich.

Moderne Elektronenblitzgeräte stoßen eine kontrollierte Lichtmenge ab und verfügen über eine konstante Farbtemperatur, die in etwa dem Tageslicht entspricht. Prinzipiell ist ein Blitzgerät für die Reproduktion eine gute Wahl, nur leider fehlt uns hier das Einstelllicht, das für die Scharfstellung und für Wahl des Ausschnitts notwendig ist. Das Einstelllicht müsste mit einer zweiten Lichtquelle realisiert werden, die dann während der eigentlichen Aufnahme abschaltet wird.

Während die Reproduktion von Halbtonvorlagen (Schwarzweiß) weitgehend unabhängig von der Farbtemperatur ist, ist die Wahl der richtigen Lichtquelle zur Reproduktion von Farbdias essentiell.

Diese Problematik ist nicht neu, sie bestand schon genauso zu „Analog-Zeiten“. Bis heute kommen in Farbvergrößerungsgeräten und Fotobelichtern hochwertige Halogen-Leuchtmittel zum Einsatz.

Der im vorhergehenden Kapitel erwähnte Vergrößererkopf ist lediglich ein Vorschlag mit einem sehr guten Kosten-Nutzen-Verhältnis. Ich habe diverse Leuchtmittel ausprobiert und setze auf Halogen-Leuchtmittel. Die Halogenlampe des Vergrößerers liefert eine Farbtemperatur von 3200 Kelvin und eine geeignete Lichtintensität. Die Lebensdauer der Lampe von ca.100 Stunden und der Anschaffungspreis sind ebenfalls akzeptabel.

Es ist natürlich möglich andere, suboptimale Lichtquellen einzusetzen. Schließlich kann jede moderne Kamera eine Farbtemperaturmessung (Weißabgleich) durchführen.
Trotzdem sollte unbedingt von vorneherein mit einem bestmöglichen Licht und Farbspektrum digitalisiert werden, statt die Farbanpassung "per Brecheisenmethode" zurecht zu rücken.
Ferner wirkt sich der Weißabgleich sich nicht auf die Rohdaten (RAW-Format) aus, sondern nur auf die in der Kamera entwickelten Jpg-Bilder aus. Man verschenkt an der Stelle Reserven, die später möglicherweise noch benötigt werden.

 

Dringend rate ich ab von Gasentladungslampen (Energiesparlampen, Leuchtstoffröhren, Neonröhren) und LED-Lampen als Lichtquelle. Obwohl diese häufig als „Tageslicht-Lampen“ genannt werden und scheinbar über die gleiche Farbtemperatur verfügen, besitzen sie ein diskontinuierliches Spektrum. Sie erzeugen für das Auge den Lichteindruck „weiß“, obwohl das Licht dieser Lampen aus einer Anhäufung von Spektrallinien besteht, und somit einige Spektralfarben nicht, andere Wellenlängen dagegen mit hoher Intensität vorhanden sind.

 

Ist die gewünschte Lichtquelle gefunden, wird eine passende Stromversorgung benötigt. Klingt trivial, doch sind insbesondere bei Umbauten und eigenen Installationen Vorsicht und die nötige Sachkenntnis nicht zu vernachlässigen.

Im Fall von Halogenlampen, muss nicht nur die Spannung übereinstimmen, sondern das Netzgerät sollte für die Watt-Zahl der Halogenlampe ausgelegt sein. Das Soll-Farbspektrum und Soll-Farbtemperatur des Leuchtmittels werden nur bei der korrekten Spannung erreicht.

Ist ein Netzteil beispielsweise nicht stabilisiert und mit dem Verbraucher (=Lampe) „unterfordert“, neigt es dazu eine etwas höhere Spannung zu liefern - das Licht wird bläulicher und heller. Bereits eine 5-prozentige Überspannung verkürzt die Lebenszeit der Halogenlampe um 50%.

Ist dagegen ein Netzteil nicht leistungsfähig genug, geht das Licht ins Rötliche und die Lampe lebt wesentlich länger, allerdings ist schon nach kurzer Zeit mit dem Totalausfall des Netzteils zu rechnen.

Die vorgestellte Vergrößerer-Lösung basiert auf einer 12 V / 100 Watt Halogen-Projektionslampe (Xenophot HLX Sockel GZ6,35).

Man sollte eine solche Lampe nicht versuchen mit den üblichen Stecker-Universalnetzteilen vom Supermarkt zu betreiben. Keines dieser Geräte ist für die benötigte Dauerleistung ausgelegt. Zu jedem Vergrößerer gibt es ein passendes und entsprechend groß dimensioniertes Netzteil.

Tipps

- Bevor mit der Digitalisierung begonnen wird, Lampe einige Minuten vorwärmen!

- Ein lesenswerter Artikel über Glühlampenlicht kann auf folgender Seite als PDF runtergeladen werden:
  http://www.peterpich.de/forum1/arg.html

- Für mehr Infos recherchiere Begriff „schwarzer Körper“

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