Minolta X-700

   
Hersteller Minolta
Kameratyp SLR (einäugige Spiegelreflexkamera)
Filmtyp 35mm Kleinbildfilm
Objektiv SR-Bajonett Wechselobjektivsystem
Belichtungszeiten 1 bis 1/1000s + B
Fokussierung manuell
Filmtransport manuell, automatisch mit Winder
Selbstauslöser Elektronisch mit LED
Blitz Mittenkontakt-Blitzschuh, TTL
Batterie 2x 1,5V Knopfzellen V357 (identisch mit V76PX, PX76A, LR44, SR44, SG13, AG13)
Baujahr 1981 bis 1999
Hergestellt in Japan

Besonderheiten

European Camera of the Year 1981
Programmautomatik und Belichtungszeitautomatik
TTL-Blitzmessung
Langzeit-Blitzsynchronisation
Messwertspeicherung
Manuelle Belichtungskorrektur
Extrem helle acute-matte Mattscheibe mit 95% Abdeckung
Anzeige der Belichtungszeit im Sucher mittels LEDs
Verwacklungswarnung - bei Belichtungszeiten länger als 1/30s wird ein Piepton ausgegeben (kann abgestellt werden)
Touch-Switch Belichtungsmesser-Aktivierung (der Auslöser muss nur berührt und nicht halb gedrückt werden)
Elektronischer Selbstauslöser
Schärfentiefenvorschau
Optionaler Winder / Motor Drive
Kompaktes, leichtes Gehäuse

 

Minolta X-700 - die Legendäre

Die Minolta X-700 war bei ihrer Vorstellung eine der fortschrittlichsten und benutzerfreundlichsten Kameras überhaupt, sie machte die Fotografie sogar für Nicht-Fotografen ein Stück weit zugänglicher und gewann viele Auszeichnungen. Nur wenige Kameramodelle wurden über einen so langen Zeitraum unverändert gebaut.

Die X-700 verfügte erstmals über eine Programmautomatik. Die Kamera steuert dabei nicht nur die Belichtungszeit, sondern auch die Blende vollautomatisch. Voraussetzung ist die Verwendung von Objektiven mit der Bezeichnung "MD".
Ältere MC- und Rokkor-Objektive können weiterhin mit der Zeitautomatik verwendet werden.

Erstmals brauchte der Fotograf sich nicht um die Belichtung zu kümmern, die Werbebotschaft lautete: "Komponieren, scharfstellen, schießen!". Zusätzlich warnte ein Piepton vor zu langen Belichtungszeiten und damit vor Verwacklungsunschärfen.

Das MPS-System (Minolta Program System – siehe Logo auf der Vorderseite der Kamera) setzte auf eine sehr breite Zubehörpalette und fand bei den Fotografen großen Gefallen.

Es gab Makrobalgen, Blitzgeräte, Filter, Data Backs (zur Einblendung des Aufnahmedatums), auswechselbare Sucherscheiben, Winder und Motor Drives. Letztere dienten dazu den Verschluss nach der Aufnahme automatisch zu spannen und den Film weiter zu transportieren. Hier wurde die Leistungsfähigkeit der Kamera besonders gut sichtbar: der Motor Drive 1 erlaubte 3,5 Bilder pro Sekunde, was für damalige Zeiten erstaunlich viel war.

Ebenso attraktiv war die sehr breite Objektivauswahl, es standen Brennweiten von 7,5 bis 500mm zur Verfügung, Tilt&Shift-Objektive, Tele-Konverter, Spiegel-Teles, spezielle Varisoft-, Fisheye- und Makroobjektive. Zoom-Objektive setzten sich immer mehr durch. Minolta entwickelte in Zusammenarbeit mit dem renommierten Hersteller Leitz das Rokkor 1:3.5/35-70mm. Es verfügt über eine sehr hohe optische und mechanische Qualität, eine durchgehende Lichtstärke von 1:3.5 und einen Makro-Modus, der tatsächlich diese Bezeichnung verdient. Der Zoomfaktor ist relativ klein, dafür ist in der Bildqualität der Unterschied zu Festbrennweiten schwer auszumachen. Das Rokkor 35-70 wurde häufig im Kit mit einem Body als Standardobjektiv verkauft.

Obwohl die Kamera größtenteils mit manuellen Drehreglern bedient wird, arbeitet die Verschluss-Steuerung elektronisch. Ohne Batterien ist kein Auslösen möglich und es gibt, im Gegensatz zu einigen Vorgängermodellen, kein manuelles Notprogramm mehr. Die Batterien stellen jedoch kein Problem dar, sie sind überall erhältlich und halten bei normaler Nutzung mehrere Jahre. Benötigt werden 2 Knopfzellen vom Typ V 76 PX Silber-Oxyd 1,5V (auch als V357, PX76A, LR44, SR44, SG13 und AG13 bezeichnet). Es können gleichermaßen Silberoxyd- oder Alkaline Batterien verwendet werden, die Kamera verfügt über eine Schaltung, die eventuelle Spannungsabweichungen korrigiert. Der Hersteller empfiehlt jedoch Silberoxyd-Batterien. Eine Silberoxydbatterie sollte nicht mit einer Alkalinebatterie gemischt eingesetzt werden. Ferner ist der Einsatz einer speziellen 3V Lithium-Batterie möglich.

Die Ähnlichkeit zu der Minolta XG-M ist unübersehbar. Obwohl einige ältere Modelle (XE- und XD-Serie) bereits über den überlegenen, vertikal ablaufenden Verschluss aus Metalllamellen verfügten, setzte Minolta hier weiterhin auf den horizontal ablaufenden Tuchschlitzverschluss.

Die Meßelektronik war extrem schnell und erlaubte erstmals Blitzbelichtungsmessung durch das Objektiv (Through The Lens = TTL). Die abgegebene Blitzmenge wurde also direkt während der Aufnahme auf der Filmoberfläche gemessen und die Blitzröhre beim Erreichen der korrekten Belichtung umgehend ausgeschaltet. Dies passierte im Millisekundenbereich. Die Verwendung von Vorsatzfiltern in Verbindung mit Blitz wurde damit wesentlich vereinfacht, Blitzaufnahmen wurden generell zuverlässiger.

Die schnelle Schaltung hatte einen kleinen Nachteil: sie kam mit Leuchtstofflampenlicht weniger gut zurecht. der Grund ist, dass letztere keine kontinuierliche Leistung abgeben, sondern im Grunde nur mit 50 Hz flimmern. Es konnte also passieren, dass der Belichtungsmesser nicht den Mittelwert, sondern gerade den "Peak" oder die "dunkle Phase" erfasste, was zu Fehlbelichtungen führte. Das Problem bestand allerdings nur in Verbindung mit klassischen Vorschaltgeräten. Neuere Leuchtstofflampen arbeiten mit einer Frequenz bis zu 40.000Hz, wodurch ein nahezu kontinuierliches Licht erzeugt wird und den Messfehler nahezu vollständig reduziert. Um das Problem auch bei klassischen Vorschaltgeräten zu umgehen, wurde empfohlen die Belichtungszeit manuell einzustellen.

Die X-700 verfügt, neben der X-500, über den hellsten SLR-Sucher überhaupt. Er ermöglicht dem Fotografen die (in dieser Kamerageneration noch manuelle) Scharfstellung auch unter schwierigsten Lichtverhältnissen. Die Belichtungszeiten werden mit Hilfe kleiner LEDs im Sucher angezeigt, der ständige Blick auf die Einstellräder auf der Kameraoberseite entfällt. Die eingestellte Blende wird, gute Lichtverhältnisse vorausgesetzt, ebenfalls im Sucher angezeigt. Dies ist optisch geschickt gelöst - ein kleines Fenster unterhalb der Prismas blickt einfach auf den Blendenring des Objektivs und spiegelt den aktuellen Blendenwert im Sucher wieder.

Für die Schärfentiefenvorschau gibt es einen extra Knopf, der die Blende schließt.

Die bewährte manuelle Belichtungskorrektur wurde unverändert von der XG-M übernommen und befindet sich am selben Regler, wie die ISO-Einstellung.

Die manuelle Filmeinfädelung funktioniert meines Erachtens gut, die Filmführung ist sehr präzise. Für zusätzliche Sicherheit, dass der Film korrekt eingefädelt und weitertransportiert wurde, befindet sich neben dem Bildzähler ein weiterer kleiner Helfer: je mehr Fotos verschossen wurden, desto weiter rückte der rote Indikator vor. Dies war zu Analogzeiten, mangels sofortiger Bildrückschau auf dem digitalen Display, eine sehr willkommene Hilfe. Schließlich gab es vor Ort keine Möglichkeit zu überprüfen, ob die (möglicherweise einmaligen) Momente tatsächlich auf Film eingefangen wurden.

Generell ist die ganze Kamera, trotz zunehmendem Einsatz von Kunststoffen, sehr wertig gebaut. Es ist das fortschrittlichste Gehäuse mit SR-Bajonett, das vor der Autofokus-Ära entwickelt wurde. Zusammen mit der großen Palette hervorragender Objektive war das System äußerst beliebt!

Heute macht es mir immer noch unheimlich viel Spaß mit dieser Kamera zu fotografieren!

Möglicherweise hängt das mit der Haptik zusammen, spätere Gehäuse (und Objektive) wurden unter der Verwendung von deutlich mehr Kunststoffen gebaut. Diese altern und verschleißen in der Regel schneller, auf der anderen Seite sind sie leichter, günstiger und machen neuartige Konstruktionen möglich.

Batteriefach:

Fach am Gurt für Reservebatterien:

Minolta Motor Drive 1:

Original Minolta Bereitschaftstasche:

 

 

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