Pentacon six TL

   
Hersteller VEB Pentacon Dresden
Kameratyp SLR (einäugige Spiegelreflexkamera)
Filmtyp Rollfilm Typ 120, 220
Objektiv P6 Klemmbajonett
Belichtungszeiten 1s bis 1/1000s + B + Blitzsynchro
Fokussierung manuell
Filmtransport manuell
Selbstauslöser 10s, mechanisch
Blitz Blitzsynchronisationsbuchse
Gewicht 1,4 kg (ohne Prisma, ohne Objektiv)
Batterie Kamera arbeitet stromlos
Baujahr Mitte 1950er bis 1990
Hergestellt in DDR

Besonderheiten

Mittelformat

Vollmechanisch

Springblendenautomatik

Belichtungsmessung nur mit optionalem TTL-Prisma

Zubehör und Objektive kompatibel zu Kiev 60 (Russland) und Exakta 66 (Westdeutschland)

 

Die Pentacon six TL war meine zweite Mittelformatkamera. Ein Monstrum, das betriebsbereit mit Prisma und Standardobjektiv 2 kg auf die Waage bringt.

Hat man noch nie mit Mittelformat gearbeitet, so erscheint der Sucher anfangs wie eine Kinoleinwand. Das Carl Zeiss Biometar 2.8/80mm liefert in etwa den gleichen Bildwinkel, wie eine Kleinbildkamera mit Standardbrennweite.

Das Bild kann auch ohne Prisma direkt auf der riesigen Mattscheibe betrachtet werden. Es wird spiegelverkehrt dargestellt, bei Verwendung des Prismas ist es wieder seitenrichtig.

Schon nach wenigen Aufnahmen fällt die kurze Schärfentiefe auf. Um eine vergleichbare Schärfentiefe, wie beim Kleinbildformat zu erreichen, muss die Blende beim Mittelformat weiter geschlossen werden. Genaues fokussieren ist Pflicht, ein Schnittbildindikator oder Mikroprismenring sind nicht vorhanden, doch die riesige Mattscheibe erleichtert die Aufgabe ungemein.

Das Mittelformat ist flächenmäßig viermal größer, als das Kleinbildformat. Das Handling und die Materialkosten sind für Privat- bzw. Hobbyfotografen weniger attraktiv, das Mittelformat fand in erster Linie im professionellen Bereich Verwendung und bot viele Vorteile:

- Es lassen sich ohne Probleme Abzüge in allen beliebigen Formaten entwickeln, das 60x60mm große Negativformat bietet genügend Reserven für Zuschnitt.

- Ebenso sind dank der großen Negativfläche starke Ausschnittsvergrößerungen ohne sichtbare Qualitätseinbußen möglich.

- Der Fotograf konnte entwickelte Diapositive ohne Abzüge, direkt auf dem Leuchtisch beurteilen.

- Wegen der üblicherweise längeren Brennweite (und somit kürzeren Schärfentiefe) lassen sich die fotografierten Objekte besser freistellen.

Die Kamera ist kaum für Schnappschüsse geeignet. Grundsätzlich erfordert das Mittelformat eine andere Herangehensweise an Fotomotive, als das klassische Kleinbildformat. Das quadratische Bildformat ebenfalls. Automatisch beschäftigt sich der Fotograf intensiver mit dem Fotoobjekt, möglicherweise ein weiterer Faktor, warum Mittelformataufnahmen in der Regel besser ausfallen.

 

Trotzdem ähnelt die Pentacon six SL in vielerlei Hinsicht einer KB-SLR.

Sie besitzt einen horizontal ablaufenden Tuchschlitzverschluß, während die meisten Mittelformatkameras über einen Zentralverschluß verfügen. Das ermöglicht die Konstruktion günstigerer Objektive, da diese ohne einen eigenen Verschluß auskommen.

Der horizontal laufende Film ist beim Mittelformat ebenfalls ungewöhnlich, bei meisten 6x6 Gehäuse transportieren den Film vertikal.

Und genau dieser Filmtransport bildet eine bekannte Schwachstelle der Kamera und erfordert sanften Umgang. Der Verschluß wird über einen relativ langen Weg gespannt. Lässt man den Hebel nach dem Spannen ungebremst zurückschnappen, geht der Mechanismus häufig kaputt und muss aufwändig repariert werden.

Ironischerweise bewarb der Hersteller gerade die "absolute Zuverlässigkeit des Filmtransportes" und das "geringe Gewicht". Die six ist für eine Mittelformatkamera tatsächlich vergleichsweise leicht. Viel lieber nahm ich jedoch die Praktica mit drei guten Festbrennweiten und Blitz mit. Diese Kombination wog genauso viel, wie die six mit Standardoptik.

Ein weiterer, nicht zu verachtender Aspekt ist die Tatsache, dass der Kleinbildfilm bis zu 36 Aufnahmen pro Film bietet. Der 120er Rollfilm nur 12 und eine vergleichsweise umständliche Handhabung. Bei weniger Licht, war ein stabiles Stativ Pflicht.

Doch auch lange nach ihrer goldenen Zeit, ist die Beschäftigung mit dieser Kamera auf jeden Fall eine Erfahrung wert!

Für besondere Aufnahmen, würde ich nicht zögern die Kamera einzusetzen. Sie bietet eine hervorragende Bildqualität (Zeiss Optiken) und viel Spaß an der Technik.

 

 

  © A.Z. 2018   A camera does nothing. You do.