Zenit-E

   
Hersteller KMZ (Krasnogorskij Mekhanicheskij Zavod Imeni S.A. Zvereva)
Kameratyp SLR (einäugige Spiegelreflexkamera)
Filmtyp 35mm Kleinbildfilm
Objektiv M42 Schraubgewinde
Belichtungszeiten 1/30s, 1/60s, 1/125s, 1/250s, 1/500s, B
Selbstauslöser mechanisch, ca. 10-15s
Blitz Blitzsynchronisationsbuchse
Gewicht 890 Gramm (mit abgebildetem Objektiv)
Batterie Fest eingebaute Selen-Zelle
Baujahr ab 1965 bis 1981
Hergestellt in USSR

 

Die Zenit-E ist ein einfaches, robustes und millionenfach verkauftes Modell.

Das hier gezeigte Exemplar zeigt meine allererste Kamera, mit der ich die Fotografie kennengelernt habe.
Es handelt sich um eine Sonderedition anläßlich der Olympischen Spiele in Moskau 1980.

Es ist eine voll-mechanische SLR, lediglich der Belichtungsmesser arbeitet elektrisch. Dieser kommt ohne eine Batterie aus, die lichtempfindliche Selen-Zelle erzeugt gleichzeitig den für den Betrieb des Belichtungsmessers erforderlichen Strom. Die Genauigkeit des Belichtungsmessers ist nicht sehr hoch. Abweichungen von 1-2 Blenden sind keine Seltenheit.

Das Kameradesign verfolgt die Philosophie "Was nicht da ist, das kann auch nicht kaputt gehen".

So sind die Belichtungszeiten auf die am häufigsten verwendeten Zeiten reduziert: 1/500s, 1/250s, 1/125s, 1/60s, 1/30s. Diese Belichtungszeiten erfordern bei Verwendung der Standardbrennweite kein Stativ. Zusätzlich gibt es "B" - die manuelle, beliebig lange Belichtung. Technisch einfach realisierbar.

Die Blitzsynchronisation erfolgt über einen mechanischen Kontakt, der während der Auslösung schließt. Die kürzeste Synchronisationszeit beträgt 1/30 Sekunde, das Timing muss auf die Verwendung von Elektronen-Blitzen (Stellung "X") oder langsam abbrennenden Einweg-Blitzbirnen (Stellung "MF") eingestellt werden.

Der Selbstauslöser ist ein mechanisches Uhrwerk, welches für die verzögerte Auslösung aufgezogen werden musste. Es löste die Kamera nach 10 bis 15 Sekunden aus, sofern sich die Mechanik nicht festhakte. Diese Selbstauslöser waren in der Regel recht schwer aufzuziehen, so dass der Knopf häufig abbrach.

Das Sucherbild ist sichtbar beschnitten (zeigt nur 80% des aufgenommenes Bildes) und besteht lediglich aus einer Mattscheibe ohne Markierungen. Scharfstellung bei wenig Licht erfordert ein sehr gutes Auge.

Serienmäßig wurde die Kamera mit dem Standardobjektiv Industar 3.5/50mm ausgeliefert. Alternativ wurde das lichtstärkere Helios 44-2 2/58mm angeboten.

Während das Industar eine kompakte und kostengünstige Konstruktion darstellt (nur 1,9 cm hoch, 67 g leicht), ist das Helios in Wirklichkeit eine Kopie des hervorragenden Zeiss Biotar 2.0/58mm von 1946-1960. Natürlich weniger hochwertig vergütet und mit wesentlich höheren Toleranzen gefertigt, als das Zeiss. Dafür ist es nahezu unzerstörbar und selbst eine völlig verölte Blende schränkt die Funktionalität nicht ein.

Das Stativgewinde hat einen idiotischen Platz bekommen, es befindet sich nicht auf der Objektivachse, nicht in der Mitte der Bodenplatte, und schon gar nicht am Masseschwerpunkt, sondern ganz rechts am Kameragehäuse. Es gibt kaum ein Stativ, auf dem die Kamera vernünftig befestigt werden kann.

Die Filmeinfädelung und sichere Arretierung erfordert etwas Übung und Geschicklichkeit. Die Kamera geht nicht gerade sanft mit dem Film um, das Transportsystem besteht aus massiven Metallzahnrädern. Ist der Film nicht präzise eingelegt worden, wird die Perforation gnadenlos geschreddert.

Die Filmskala zeigt ungefähr die Anzahl der bisher verschossenen Aufnahmen an. Plus-Minus 2 Bilder.

Bei modernen SLRs kann durch ein kleines Sichtfenster überprüft werden, ob und welcher Film eingelegt ist. Bei der Zenit bestand der Trick darin, sich das zu merken. ;-)

Ebenso den Filmtyp, die Filmempfindlichkeit, die Filmlänge und die Anzahl der verschossenen Bilder. Falls sich die Filmskala beim Transport versehentlich verstellt hat, durfte der Verschluß nur noch gefühlvoll gespannt werden, falls das Filmende plötzlich erreicht war.

Wurde die Kamera länger nicht benutzt und war unklar, ob ein Film eingelegt ist, gab es eine letzte Rettung: man musste darauf achten, ob sich beim Spannen der Rückspulknopf dreht! Falls ja, wußte man zumindest, dass ein Film eingelegt ist. Der Trick gilt übrigens für alle älteren SLR Modelle.

 

Der Umgang erfordert generell viel Sorgfalt, daher hier ein paar Tipps gegen die häufigsten Fehlerursachen:

- Wurde der Film nicht richtig eingefädelt, wurde der Film nicht vorgespult und man stelle im Urlaub erst nach 40 Aufnahmen fest, dass etwas nicht stimmte.

- Objektivwechsel in heller Sonne, hinterließ häufig einen Lichthof (Schleier) auf dem Negativ.

- Wurde die Rückwand geöffnet, während sich ein Film in der Kamera befand, wurde der größte Teil der Aufnahmen augenblicklich zerstört.

- Wurde das Filmende erreicht (ca. 38 Aufnahmen) und der Verschluß mit Kraftaufwand gespannt, riß der Film ab.

- Wurde der Film ohne aufgesetzte Objektivkappe zurückgespult und der Verschluß nur zur Hälfte aufgezogen oder ausgelöst, konnte der komplette Film beim Zurückspulen belichtet werden.

 

So simpel die Kamera auch ist, es existieren unzählige Modellvarianten.

Das Ziel war zu keiner Zeit ein High-End Produkt, sondern eine gute und für jeden erschwingliche Kamera.

Sie bietet wenig Komfort, aber dafür Zuverlässigkeit und ein unzerstörbares Gehäuse.

 

 

 

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