Zorki 6

   
Hersteller KMZ (Krasnogorskij Mekhanicheskij Zavod Imeni S.A. Zvereva)
Kameratyp Kompakte Sucherkamera
Filmtyp 35mm Kleinbildfilm
Objektiv M39 Schraubgewinde (baugleich LTM)
Belichtungszeiten 1/30s bis 1/500s + B
Selbstauslöser mechanisch, ca. 8s
Blitz Zubehörschuh und 2 Blitzbuchsen
Gewicht 648 Gramm (mit abgebildetem Objektiv)
Batterie Kamera arbeitet stromlos
Baujahr ab 1959 bis 1966
Hergestellt in USSR

 

Die Zorki 6 ist weniger eine Leica-Kopie und mehr eine Weiterentwicklung der Zorki 4 und 5. Sie wurde in einigen Punkten vereinfacht und benutzerfreundlicher gestaltet.

Längere Belichtungszeiten als 1/30s fielen weg - diese waren eine mechanische Schwachstelle des Vorgängers Zorki 4 und dementsprechend anfällig. Das Einstellrad für die Blitzsynchronisation fiel ebenfalls weg, statt dessen gibt es zwei getrennte Anschlüsse mit jeweils unterschiedlicher Synchronisation.

Der Komfort wurde durch folgende Komponenten erhöht:

- größeres Belichtungszeiten-Wahlrad (es ist das gleiche, dass man von der Zenit-E kennt),

- ein Spannhebel, die Kamera lässt sich viel leichter und schneller spannen,

- aufklappbare Rückwand macht das Filmladen im Gegensatz zu Zorki 5 (abnehmbarer Boden) und Zorki 4 (abnehmbare Rückwand) einfacher und weniger fehleranfällig.

 

„Zorki“ bedeutet auf Russisch so viel wie „scharf sehen“. Dies ist nicht zuletzt dem hellen und großen Sucher mit seinem Mischbild-Entfernungsmesser zu verdanken, der an die Entfernungseinstellung des Objektivs gekoppelt ist. Entfernungsmesser waren in Kompaktkameras keineswegs eine Selbstverständlichkeit - die Smena-2 und Rollei 35 S haben z.B. gar keinen Entfernungsmesser.

Dank des Entfernungsmessers war es möglich, trotz weit geöffneter Blende (=kleine Schärfentiefe) korrekt zu fokussieren. Das Mischbild lieferte auch bei schlechten Lichtverhältnissen einen guten Orientierungspunkt.

Über die Genauigkeit des Entfernungsmessers kann man sich allerdings streiten, zumindest bei meinem Exemplar der Zorki 6 muss mit einigen Lagen Tesafilm zwischen Objektiv und Abnehmer nachgeholfen werden, damit die Fokussierung korrekt ist. Eine korrekte Justage ist also Pflicht!

Während das Stativgewinde bei der Zorki 4 noch auf der Objektivachse lag, wurde es bei der Zorki 6 leider wieder an den Rand der Bodenplatte versetzt, genau wie bei der Zenit-E. Eine ordentliche Befestigung am Stativ ist somit schwieriger, kleine Tischstative sind nicht verwendbar.

Ansonsten ist die Verarbeitung für die damalige Zeit sehr ordentlich. Von den Verkaufszahlen her, konnte die Zorki 6 nicht an die erfolgreiche Zorki 4 anschließen, es wurden deutlich weniger Exemplare hergestellt.

 

Die Zorkis werden von Leica Besitzern häufig verspottet. Einige sind der Ansicht, man benötigt eine 5.000 Euro-Ausrüstung, um vernünftige Fotos machen zu können. Das ist natürlich Quatsch! Eine funktionsfähige Zorki ist für 50 Euro zu haben. Ist diese intakt, liefert sie technisch einwandfreie Bilder! Man muss sich allerdings gewissenhaft mit der Kameratechnik beschäftigen, der Umgang mit Zeit, Blende und Fokussierung - das alles muss blind beherrscht werden. Die Kamera verlangt fotografische Disziplin, umso größer ist die Freude über gute Ergebnisse! :-)

Zugegeben, das Gehäuse ist oval und bietet keinen besonders guten Halt. Einige Teile sind schwergängiger, als bei westlichen Modellen und sie macht insgesamt einen „gröberen“ Eindruck. Der Verschluss ist etwas lauter, aber im Vergleich zu SLR-Kameras immer noch sehr leise. Dafür ist die Zorki robust und „verzeiht“ viele Benutzerfehler.

Eine Zorki ist keine Leica und ich bin froh deswegen!

 

 

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