Smena-2

   
Hersteller Smena
Kameratyp Ultrakompakte Sucherkamera
Filmtyp 35mm Kleinbildfilm
Objektiv T-22 F=4cm 1:4,5
Belichtungszeiten 1/10s bis 1/200s + B
Selbstauslöser nicht vorhanden
Blitz Blitzschuh und Blitzsynchronisationsbuchse
Gewicht 276 Gramm
Batterie Kamera arbeitet stromlos
Baujahr 1953 bis 1956
Hergestellt in CCCP

 

Die Smena-2 ist mit ihren Außenmaßen von nur 12 x 7,5 x 6 cm (B x H x T) eine sehr frühe, ultrakompakte Sucherkamera. Nicht nur die Größe ist ungewöhnlich, das Gehäuse besteht aus Hartplastik und die Kamera ist somit sehr leicht, was in den 50er Jahren selten war.

Die Smena war für den niedrigen Preissektor gedacht und mit einer relativ lichtschwachen Festbrennweite (f=4cm, 1:4,5) ausgestattet. 40mm sind ein Kompromiss aus Standardbrennweite und Weitwinkel. Die bei dieser Brennweite und Anfangsblende resultierende Schärfentiefe umfasst bereits einen weiten Bereich. Das ist sehr von Vorteil, da die Kamera keinerlei Anhaltspunkte für korrekte Fokussierung bietet. Die Entfernung muss geschätzt oder zu Fuß gemessen werden und auf das Objektiv übertragen werden. Faustregel: ein langer Schritt = ein Meter.

Überflüssig zu sagen, dass die Kamera vollmechanisch und vollmanuell arbeitet.

Nach heutigen Maßstäben ist der Filmtransport eine Katastrophe. Es gibt keinen Spannhebel, sondern nur ein Drehrad. Die Zahnräder, die in die Filmperforation greifen (hier sogar nur auf einer Seite) und normalerweise den Film präzise transportieren, werden hier umgekehrt vom Film angetrieben und treiben den Auslösemechanismus und das Bildzählwerk an. Der Auslösemechanismus stellt lediglich sicher, dass nur einmal pro Bild ausgelöst werden kann. Der Bildzähler ist sehr unpräzise, das Einstellrad sitzt nicht fest genug und verstellt sich häufig unbeabsichtigt.

Es gibt keine Filmaufwickelspule und kein Rückspulsystem, der Film wird von einer Filmdose in eine andere gespult. Nach Filmende befindet sich der verschossene Film also in einer anderen Filmdose!

Wenn man die Filmstreifen selbst entwickelt, ist das kein Problem. Man kennt in der Regel den verwendeten Filmtyp und kann die überflüssige leere Dose einfach abschneiden. Die andere Dose mit dem aufgewickelten Film wird in der Dunkelkammer normal geöffnet und der Film in die Entwicklungsdose geladen.

Gibt man den Film zur Entwicklung ab, muss darauf geachtet werden, dass die Filmdosenbezeichnung mit dem tatsächlichen Filmtyp genau übereinstimmt, um korrekt entwickelt werden zu können. Hier gibt es also nur die Möglichkeit den belichteten Film manuell bei völliger Dunkelheit zurück in die originale Filmdose zurück zu spulen. Steht kein völlig dunkler Raum zur Verfügung, kann man im Notfall den Film mit den beiden Dosen einfach erneut, diesmal verkehrtherum, in die Kamera einlegen und mit abgedecktem Objektiv komplett verschießen. Mit abgedecktem Objektiv deswegen, um eine Doppelbelichtung zu vermeiden. Der Film befindet sich anschließend wieder in der ursprünglichen Filmdose. ;-)

Die Blendensteuerung, Entfernungseinstellung und die gesamte Verschlußmechanik befinden sich in der Objektiveinheit. Für die korrekte Belichtung eines Bildes muss ein separater Belichtungsmesser oder eine Tabelle eingesetzt werden. Manchmal fanden sich auf der Innenseite des Film-Umkartons Belichtungszeiten aufgedruckt, die an die jeweilige Filmempfindlichkeit angepasst waren. Stand kein Belichtungsmesser zur Verfügung, waren diese groben Orientierungswerte besser als nichts.

Die Filmempfindlichkeit des eingelegten Films kann an einem kleinen Einstellrad eingestellt werden. Das Einstellrad hat keine Funktion, außer, dass es den Fotografen an den eingestellten Wert erinnert.

Der Wert wird in DIN und GOST angegeben. Letzterer ist eine russische Norm, GOST 10691-84 bezeichnet beispielsweise die Lichtempfindlichkeit von fotografischem Material und ist vergleichbar mit den deutschen DIN- und amerikanischen ASA-Werten. Erst mit der Digitalfotografie setzte sich die internationale und heute weltweit verwendete ISO-Bezeichnung durch.

Für einen optionalen Blitz befindet sich auf der Oberseite ein standardisierter Zubehörschuh und am Objektiv eine Blitzsynchronbuchse. Auf der Unterseite befindet sich ein 3/8" Stativgewinde - die damals bei russischen Kameras verwendete Standardgröße. Der Sucher ist sehr klein und liefert ein eher rundes, als rechteckiges Bild.

Ich habe in den Neunzigern nur ganz wenige Filme mit dieser Kamera verschossen. Das Einhängen des Filmanfangs in eine zweite Filmdose ist fummelig, der unzulängliche Aufbau des Filmtransports sorgt regelmäßig für Risse in der Perforation. An den Negativstreifen ist häufig erkennbar, dass sie mit der Smena belichtet worden sind. Der Gehäusedeckel wackelt spürbar.

Die Vignettierung des kleinen (Vollformat)-Objektivs war recht stark ausgeprägt, das Bild zwar kontrastreich, aber nie besonders scharf. Die Blendenwerte sind stufenlos, der Einstellring ist sehr klein und läßt sich nur schwer verstellen. Praktisch immer wird mit der Blende die Entferungseinstellung verstellt, da beide eine Einheit bilden und auf dem selben Gewindegang installiert sind. Bewegt man die Blende in Richtung größerer Blendenzahlen und hält nicht rechtzeitig bei "22" an, fängt man unabsichtlich an den Blendenring vom Objektiv abzuschrauben.

Die Verschlußzeiten unterhalb 1/50s funktionieren heute nicht mehr einwandfrei. Kein Wunder, die Kamera wurde seit ihrer Konstruktion, das heißt während der letzten 50 Jahre (!!) vermutlich kein einziges Mal gewartet.

Aus Spaß an der Technik greife ich lieber zu der gleich kleinen, aber ungleich besser bedienbaren Rollei 35.

 

  © A.Z. 2018   A camera does nothing. You do.